The Grimm version, published in 1812, added the huntsman rescue to the older French ending. The story was widely told across German-speaking regions, with local variations in the Black Forest, Hesse, and Pomerania. The tale reinforced warnings about forest dangers very real to rural German children.
1.Obedience to parental guidance is essential for safety
2.Deceptive appearances can hide dangerous intentions
3.Help can arrive when you least expect it, but prevention is better than rescue
Rotkappchen
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Es war einmal eine kleine susse Magd, die hatte jedermann lieb, der sie nur ansah, am allerliebsten aber ihre Grossmutter. Die wusste gar nicht, was sie alles dem Kinde geben sollte. Einmal schenkte sie ihm ein Kappchen aus rotem Samt, und weil ihm das so gut stand und es nichts anderes mehr tragen wollte, hiess es nur das Rotkappchen.
Eines Tages sprach die Mutter zu ihm: «Komm, Rotkappchen, da hast du einen Kuchen und eine Flasche Wein, bring das der Grossmutter; sie ist krank und schwach und wird sich daran laben. Mach dich auf, bevor es heiss wird, und wenn du auf dem Weg bist, so geh ordentlich und leise und laufe nicht vom Weg ab, sonst fallst du und zerbrichst die Flasche, und dann hat die Grossmutter nichts.» Rotkappchen versprach der Mutter, alles zu befolgen.
Die Grossmutter wohnte draussen im Wald, eine halbe Stunde vom Dorf. Als Rotkappchen in den Wald kam, begegnete ihm der Wolf. Rotkappchen aber wusste nicht, was das fur ein boeses Tier war, und hatte keine Angst. Der Wolf gruesste es freundlich und dachte bei sich: «Was fur ein zartes jung Ding! Das ist ein guter Bissen fur mich.»
Er fragte Rotkappchen, wohin es gehe, und das Kind antwortete, es gehe zur Grossmutter, die krank sei. Der Wolf fragte weiter, wo die Grossmutter wohne, und Rotkappchen beschrieb den Weg genau. Da schlug der Wolf einen Umweg ein und lief gerade zur Grossmutter. Er klopfte an die Tür, trat ein und verschlang die alte Frau, ohne ein Wort zu sagen.
Dann legte er ihre Kleider an, setzte sich die Haube auf und legte sich ins Bett. Als Rotkappchen schliesslich ankam, trat es in die Stube und ging zum Bett. Es sah seine Grossmutter so seltsam aus mit der Haube tief ins Gesicht gezogen.
«Grossmutter, was hast du fur grosse Ohren!» rief Rotkappchen. «Damit ich dich besser horen kann.» «Aber Grossmutter, was hast du fur grosse Augen!» «Damit ich dich besser sehen kann.» «Aber Grossmutter, was hast du fur grosse Hande!» «Damit ich dich besser packen kann.» «Aber Grossmutter, was hast du fur ein entsetzlich grosses Maul!» «Damit ich dich besser fressen kann!»
Kaum hatte der Wolf das gesagt, sprang er aus dem Bett und verschlang das arme Rotkappchen. Als der Wolf seinen Hunger gestillt hatte, legte er sich wieder ins Bett und fing an, laut zu schnarchen. Ein Jager ging gerade am Haus vorbei und dachte: «Wie die alte Frau schnarcht!» Er trat ein und fand den Wolf im Bett.
Der Jager wollte schiessen, besann sich aber, dass der Wolf die Grossmutter gefressen haben konnte. Er holte eine Schere und schnitt dem schlafenden Wolf den Bauch auf. Nach ein paar Schnitten sah er das rote Kappchen leuchten, und bald sprang das kleine Madchen heraus. Dann kam auch die Grossmutter lebendig zum Vorschein.
Rotkappchen holte schnell schwere Steine, mit denen sie den Bauch des Wolfes fullten. Als er aufwachte und davonlaufen wollte, waren die Steine so schwer, dass er sofort zusammenbrach und starb. Alle drei waren hocherfreut. Der Jager zog dem Wolf die Haut ab und ging damit nach Hause. Die Grossmutter ass den Kuchen und trank den Wein, den Rotkappchen gebracht hatte, und erholte sich. Und Rotkappchen dachte bei sich: «Ich will mein Lebtag nicht mehr vom Wege ablaufen, wenn mir die Mutter es verboten hat.»
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Cultural Note
The Grimm version, published in 1812, added the huntsman rescue to the older French ending. The story was widely told across German-speaking regions, with local variations in the Black Forest, Hesse, and Pomerania. The tale reinforced warnings about forest dangers very real to rural German children.
Frequently Asked Questions
Editorial Review
E-E-A-T
Reviewed by
Dr. Eleanor Vance, Folklore Studies
Last updated
April 6, 2026
Sources & References
1.Zipes, J. — The Brothers Grimm: From Enchanted Forests to the Modern World (2002)
2.Tatar, M. — The Hard Facts of the Grimms' Fairy Tales (1987)
3.Jack Zipes — Fairy Tales and the Art of Subversion (1983)