1.Liebe, Treue und Unschuld koennen selbst das kaelteste und maechtigste Boese besiegen
2.Der Spiegel des Daemons symbolisiert Zynismus und die Verzerrung der Schoenheit durch Negativitaet
3.Gerdas Reise zeigt, wie Beharrlichkeit und ein offenes Herz unueberwindliche Hindernisse ueberwinden
Die Schneekoenigin
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Es war einmal ein boeser Kobold, ein echter Teufel. Eines Tages fertigte er einen Spiegel an, der die eigenartige Eigenschaft hatte, dass alles Gute und Schoene darin fast zu nichts zusammenschrumpfte, waehrend alles Wertlose und Haessliche noch groesser und schlimmer wurde. Der Kobold und seine Schueler fanden das unheimlich amuesant. Sie trugen den Spiegel ueberall hin, und schliesslich wollten sie bis in den Himmel fliegen, um sich ueber die Engel lustig zu machen. Aber je hoeher sie stiegen, desto mehr bebte und zitterte der Spiegel, bis er ihnen aus den Haenden glitt und in Milliarden von kleinen Stuecken zersprang. Einige dieser Splitter waren nicht groesser als ein Sandkorn, und sie wehten ueber die ganze Welt. Manche gerieten in die Augen der Menschen, und von da an sahen diese Menschen nur noch das Schlechteste in allem. Andere durchbohrten ihre Herzen, und diese Herzen wurden gefroren und kalt wie Eisblocke.
In einer grossen Stadt lebten zwei Kinder namens Gerda und Kay, die die engsten Freunde waren. Sie spielten jeden Tag zusammen zwischen den Rosen, die in den Fensterkaesten zwischen den Dachkammern ihrer Eltern wuchsen. An einem Winterabend drang ein Splitter des Demonenspiegels in Kays Auge und ein anderer durchbohrte sein Herz. Von diesem Moment an veraenderte sich Kay. Er wurde grausam, spottisch und kalt.
Eines Tages band Kay seinen Schlitten an einen praechtigen weissen Schlitten, der durch die Strassen glitt. Die Fahrerin war die Schneekoenigin selbst, in weisses Fell gehuellt. Sie griff Kay und trug ihn in ihren Palast weit im Norden, eine weite und glaenzende Halle aus Eis und Schnee, erleuchtet vom Nordlicht. Dort sass Kay auf dem gefrorenen See und versuchte, das Wort Ewigkeit mit Eisstuecken zu buchstabieren, aber er brachte es nie ganz zustande.
Als Kay nicht zurueckkehrte, machte sich Gerda auf die Suche nach ihm. Sie fragte den Fluss, die Bluemen und die Voegel. Eine alte Zauberin, die einen magischen Garten pflegte, versuchte, Gerda fuer immer bei sich zu behalten, aber Gerdas Traenen liessen die versteckten Rosen wieder bluehen und erinnerten sie an Kay. Sie floh durch einen dunklen Wald, wo sie von einem Raubermädchen gefangen wurde, einem wilden aber gutherzigen Kind, das ihr ein Rentier gab, um nordwaerts zu reiten.
Das Rentier trug Gerda ueber die gefrorene Tundra. Endlich erreichte sie den Palast der Schneekoenigin. Die eisigen Winde heulten um sie, aber sie betete, und die Winde wurden sanft. Sie fand Kay auf dem Boden der weiten Eishalle sitzend, der immer noch versuchte, Ewigkeit zu buchstabieren. Er war blau vor Kaelte und erkannte sie gar nicht.
Gerda warf ihre Arme um Kay und weinte. Ihre warmen Traenen fielen auf seine Brust und schmolzen den Eissplitter in seinem Herzen. Kay sah sie an, und endlich fiel der Spiegelsplitter aus seinem Auge. Gerda! rief er. Meine liebe kleine Gerda! Er brach selbst in Traenen aus, und der Glassplitter wurde fortgespült. Dann erkannte er die Eisblocke und buchstabierte das Wort Ewigkeit. Der Zauber der Schneekoenigin war gebrochen. Die beiden Kinder flogen zusammen auf dem Ruecken des Rentiers nach Hause.
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